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Was bedeutet eigentlich Bildbearbeitung?

 

Bildbearbeitung wird häufig unterschätzt. Viele Menschen denken dabei an ein bisschen Haut glätten, Farben schöner machen und vielleicht noch einen Pickel entfernen. Tatsächlich steckt hinter einer professionellen Bildbearbeitung sehr viel mehr.

Ich arbeite seit rund 20 Jahren mit Bildbearbeitung. Mehr als zehn Jahre davon habe ich im High-End-Agenturbereich gearbeitet und für große Werbeagenturen und namhafte Kunden fotografiert und Bilder bearbeitet. Dazu gehörten unter anderem Kampagnen für Marken wie Jopp und adidas, aber auch Portraits von Politiker und viele weitere große Werbeproduktionen.

In diesem Umfeld war Bildbearbeitung nie ein kleines Extra am Ende eines Shootings. Sie war ein wesentlicher Teil der Arbeit und wurde auf einem Niveau erwartet, bei dem jedes Detail stimmen musste.

Heute beherrsche ich diese Arbeit so selbstverständlich, dass ich über viele einzelne Schritte gar nicht mehr nachdenken muss. Ich sehe ein Bild und erkenne, was es braucht. Was vielleicht noch nicht stimmt, wo das Licht nicht optimal sitzt, welche Kleinigkeit den Blick ablenkt oder wo eine Hautpartie durch das Licht unruhiger wirkt, als sie in Wirklichkeit war.

Und trotzdem ist das Ziel nicht, dass man meine Bildbearbeitung sieht.

Man soll den Menschen sehen.

Die Bearbeitung beginnt bereits bei der Entwicklung der RAW-Datei. Helligkeit, Weißabgleich, Farben, Kontraste sowie Lichter und Schatten werden aufeinander abgestimmt. Je nach Aufnahme kann es sinnvoll sein, ein Bild unterschiedlich zu entwickeln und die Versionen anschließend miteinander zu kombinieren, damit sowohl in den hellen als auch in den dunklen Bereichen möglichst viele Informationen erhalten bleiben.

Danach kommt die Detailarbeit in Photoshop. Und hier geht es längst nicht nur darum, Haut glatt zu machen. Im Gegenteil: Eine gute Retusche sollte möglichst natürlich bleiben. Leberflecken, Sommersprossen und Hautporen gehören zu einem Gesicht und bleiben deshalb erhalten. Rötungen können reduziert, eine unruhige Hautstruktur ausgeglichen und Fältchen dezent gemildert werden, ohne dass ein Gesicht seine Persönlichkeit verliert.

Auch Augen, Lippen, Zähne und Hände werden betrachtet. Gibt es störende Äderchen? Sind die Augen durch das Licht zu dunkel geworden? Wirkt eine Hand ungewöhnlich rot oder trocken? Sind die Lippen sehr trocken? Solche Details fallen einem beim Betrachten eines Bildes oft gar nicht bewusst auf. Trotzdem beeinflussen sie, wie harmonisch ein Portrait wirkt.

Dasselbe gilt für Haare und Kleidung.

Fliegende Haare können entfernt, eine Frisur etwas geordnet und bei Bedarf optisch ergänzt werden. Bei blondem Haar kann ein unerwünschter Gelbstich reduziert werden. Kleidungsstücke können von Fusseln und Staub befreit, Falten gemildert und kleine Unregelmäßigkeiten korrigiert werden. Bei Hemden oder Blusen lässt sich beispielsweise auch die Passform etwas optimieren. Brillenreflexe können entfernt und störende Details an Knöpfen, Reißverschlüssen oder Schmuck korrigiert werden.

Auch der Hintergrund gehört zum Bild. Kleine Farbkleckse, Staub, Kratzer oder andere Elemente, die den Blick vom Menschen wegführen, werden entfernt oder zurückgenommen. Manchmal geht es dabei um ein winziges Detail, das man auf den ersten Blick gar nicht wahrnimmt und das trotzdem dafür sorgt, dass ein Bild nicht ganz ruhig wirkt.

Am Ende kommt die eigentliche Feinabstimmung: Kontraste, Licht und Schatten, Farben und Hauttöne werden so aufeinander abgestimmt, dass das Bild als Ganzes funktioniert. Dazu gehört auch ein individueller Look, der zur Aufnahme und zum jeweiligen Menschen passt.

Was dabei wichtig ist: Bildbearbeitung bedeutet für mich nicht, Menschen zu verändern.

Ich möchte niemanden in eine andere Person verwandeln. Ich möchte auch keine Gesichter produzieren, die mit dem Menschen vor der Kamera nichts mehr zu tun haben.

Es geht darum, das Bild so stimmig zu machen, wie ich es beim Fotografieren gesehen und wahrgenommen habe. Die Kamera sieht Licht, Farben und Haut anders als unser Auge. Bildbearbeitung hilft dabei, diese Wahrnehmung wieder in das Foto zu übersetzen.

Und manchmal bedeutet das eben auch, dass eine Kleidung nicht mehr perfekt sitzt, eine Hautstelle durch das Licht stärker auffällt oder ein kleines Detail im Hintergrund stört. Das darf auf einem Foto korrigiert werden, ohne dass der Mensch dadurch künstlich aussieht.

Das ist für mich der Unterschied zwischen Retusche und einer guten Bildbearbeitung.

Eine professionelle Bildbearbeitung soll nicht zeigen, was Photoshop alles kann. Sie soll dafür sorgen, dass man am Ende gar nicht darüber nachdenkt.

Man sieht ein stimmiges Bild.

Und vor allem sieht man den Menschen.

 

Konkret

1. Bildentwicklung im RAW-Konverter

  • Optimale RAW-Entwicklung

  • Bei Bedarf unterschiedliche Entwicklungen kombinieren und als Ebenen übereinanderlegen

  • Tiefen aufhellen und Lichter kontrollieren

  • Weißabgleich und Farbstimmung festlegen

  • Farben gezielt einstellen

  • Kontrast und Grundlook definieren

  • Lichter und Schatten fein ausarbeiten

  • Hautton auffrischen und ausgleichen

2. Detail-Retusche in Photoshop

  • Hautunreinheiten entfernen

  • Leberflecken, Sommersprossen und Hautporen erhalten

  • Hautstruktur ausgleichen und fleckige Haut mildern

  • Hauttöne angleichen und dabei die Natürlichkeit erhalten

  • Rötungen reduzieren

  • Hals- und Gesichtston aufeinander abstimmen

  • Hände kontrollieren und bei Bedarf korrigieren: Rötungen, Trockenheit, zu dunkle Stellen etc.

  • Fältchen dezent mildern

  • Lippen optimieren: Trockenheit, Farbigkeit, Fältchen

  • Zähne säubern und natürlich aufhellen

  • Augen auf Natürlichkeit und Lebendigkeit prüfen

  • Augenschatten dezent mildern

  • Äderchen, Wimpern und Augenbrauen natürlich optimieren

  • Lichtreflexe in den Augen optimieren

  • Makeup korrigieren und optimieren

  • Störende und fliegende Haare entfernen

  • Frisur ordnen und bei Bedarf optisch auffüllen

  • Haarfarbe optimieren, beispielsweise bei blondem Haar Gelbstiche reduzieren

3. Kleidung und Styling

  • Kleiderfalten mildern oder entfernen

  • Hemden und Blusen optisch „bügeln“

  • Fitting der Kleidung bei Bedarf korrigieren

  • Kleidung entstauben und von Haaren befreien

  • Brillenreflexe entfernen

  • Moiré entfernen

  • Knöpfe, Reißverschlüsse, Hosenstall und Schmuck kontrollieren

  • Störende Details auf der Kleidung korrigieren

4. Hintergrund und Bildumgebung

  • Störende Haare, Flecken und andere Elemente entfernen

  • Irritierende Farbkleckse im Hintergrund abschwächen

  • Hintergrund auf Schmutz, Staub, Kratzer und Tonwertabrisse prüfen

  • Störende Elemente entfernen oder dezent zurücknehmen

  • Bei Bedarf Bildfläche erweitern und fehlendes Material sauber „anstricken“

5. Individuelle Lookentwicklung

  • Einen individuellen Look entwickeln

  • Kontraste fein abstimmen

  • Lichter und Schatten optimieren

  • Farben gezielt verfeinern

  • Hauttöne natürlich und frisch ausarbeiten

  • Das Bild insgesamt auf eine stimmige visuelle Wirkung hin optimieren

6. Qualitätskontrolle und Auslieferung

  • Finalen Bildcheck auf Details, Haut, Haare, Kleidung und Hintergrund

  • Kontrolle auf Retuschefehler und unnatürliche Übergänge

  • Format- und Größenanpassungen für unterschiedliche Anwendungen

  • sRGB für digitale Anwendungen

  • ECI-RGB v2 bei entsprechenden Anforderungen

  • CMYK-Daten für Print nach Absprache

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